Werkstattgespräch mit Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne, Unternehmen und Beschäftigtenvertretungen wird fortgesetzt

Wie können mehr Menschen für offene Stellen qualifiziert, gute Arbeitsbedingungen gesichert und Wilhelmshaven als Wirtschaftsstandort gestärkt werden? Darüber wurde bei einem nicht öffentlichen Werkstattgespräch in der Jade-Dienst GmbH diskutiert. Die Veranstaltung wurde vom SPD-Oberbürgermeisterkandidaten und Fraktionsvorsitzenden Volker Block initiiert und geleitet.

An dem Gespräch nahm Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, Grant Hendrik Tonne, teil. Beteiligt waren außerdem Unternehmen, Betriebsräte und Personalvertretungen, der DGB-Stadtverband, ver.di und die IG Metall sowie die Stadt und die SPD Wilhelmshaven.

„Mir war wichtig, diejenigen zusammenzubringen, die unsere Arbeitswelt jeden Tag mitgestalten. Arbeitgeber, Beschäftigte, Gewerkschaften, Politik und Verwaltung müssen miteinander sprechen, wenn wir tragfähige Lösungen für Wilhelmshaven entwickeln wollen“, erklärt Block.

Im Mittelpunkt standen vier Schwerpunkte:

1. Fachkräfte gewinnen und Qualifizierung verbessern

Trotz vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit fehlen vielen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen in Wilhelmshaven qualifizierte Fachkräfte. Deshalb sollen Weiterbildung, Sprachförderung und das Nachholen von Berufsabschlüssen stärker unterstützt werden. Auch die Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit können helfen, Menschen ohne Ausbildung zu Fachkräften zu qualifizieren.

Zugleich soll der Übergang von der Schule in den Beruf verbessert werden. Dazu gehören praxisnahe Angebote an den berufsbildenden Schulen sowie zusätzliche Unterstützung für Auszubildende mit sprachlichem oder schulischem Nachholbedarf.

Ein konkretes Beispiel brachte der Betriebsrat von Jade-Dienst ein: Für die Tätigkeit als Festmacher gibt es bislang keine eigenständige, staatlich anerkannte Berufsausbildung. Das Berufsbild ist jedoch anspruchsvoll und mit erheblichen Gefahren verbunden.

„Festmacher arbeiten mit schweren Leinen unmittelbar an großen Schiffen. Hier geht es um Fachwissen, Erfahrung und Sicherheit. Deshalb sollten wir prüfen, wie eine anerkannte Ausbildung oder zumindest eine verbindliche und einheitliche Qualifizierung geschaffen werden kann“, so Block. Diesen Punkt will er weiterverfolgen.

2. Gute Arbeit und sichere Beschäftigung

Diskutiert wurde auch das geplante niedersächsische Tariftreue- und Vergabegesetz. Öffentliche Aufträge sollen grundsätzlich an Unternehmen vergeben werden, die für den jeweiligen Auftrag tarifliche Bedingungen einhalten. Gleichzeitig sollen Vergabeverfahren vereinfacht und kleinere sowie mittlere Unternehmen durch die Beibehaltung der Teillosvergabe berücksichtigt werden.

Bei sozialen Einrichtungen mit unterschiedlichen Finanzierungsquellen muss allerdings gewährleistet sein, dass tarifliche Bezahlung tatsächlich finanziert werden kann.

Kritik gab es zudem an den Plänen auf Bundesebene, sachgrundlose Befristungen deutlich auszuweiten.

„Die SPD Wilhelmshaven lehnt eine Ausweitung sachgrundloser Befristungen ab. Wer seine berufliche und private Zukunft planen möchte, braucht Sicherheit und Verlässlichkeit. Gute Arbeit darf nicht über Jahre auf Zeit organisiert werden“, betont Block.

3. Hafen und Infrastruktur verlässlich stärken

Investitionen in Straßen, Brücken, Schleusen, Hafeneinfahrten und Hafenanlagen sind entscheidend für die weitere Entwicklung Wilhelmshavens. Unternehmen und Beschäftigte benötigen langfristige Planungssicherheit. Das Land Niedersachsen will zusätzliche Investitionen über mehrere Jahre verlässlich bereitstellen.

Im Gespräch wurden außerdem die Belastungen durch die neue Hafenordnung sowie die Bedeutung leistungsfähiger Schleusen und Hafeneinfahrten für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes angesprochen.

Auch die zunehmende Bedeutung norddeutscher Häfen für die militärische Logistik wurde thematisiert. Wilhelmshaven muss bei den weiteren Planungen angemessen berücksichtigt werden.

4. Lebensqualität als Teil der Fachkräftesicherung

Gute Arbeitsplätze allein reichen nicht aus, um Fachkräfte für Wilhelmshaven zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Ebenso wichtig sind verlässliche Kinderbetreuung, gute Schulen sowie eine funktionierende medizinische und soziale Infrastruktur.

Gerade bei Alleinerziehenden und Teilzeitbeschäftigten besteht ein bislang nicht ausreichend genutztes Potenzial. Viele würden gerne mehr arbeiten, sind dafür aber auf verlässliche Betreuungsangebote angewiesen.

Auch eine verlässliche Krankenhausversorgung, ein leistungsfähiger Rettungsdienst und eine ausreichende hausärztliche Versorgung sind wichtige Standortfaktoren. Gleichzeitig müssen die Kommunen finanziell handlungsfähig bleiben, um Kitas, Schulen und soziale Angebote dauerhaft sichern zu können.

Gesprächsformat wird fortgesetzt

Block kündigte an, das von ihm geleitete Format „Zukunft der Arbeit“ fortzusetzen und künftig für einen größeren Kreis zu öffnen.

„Wilhelmshaven braucht nicht nur neue Arbeitsplätze. Wir müssen Menschen qualifizieren, faire und sichere Arbeitsbedingungen gewährleisten und unsere Stadt so aufstellen, dass Fachkräfte hier leben und bleiben wollen.

Die Chancen unserer Stadt sind groß – wir müssen sie gemeinsam nutzen“, erklärt Block abschließend.

Sagen Sie mir, was besser werden soll.